SCOPE Youngsters – Digital Natives

Oktober 5, 2008 at 3:18 pm 1 Kommentar

Vorbereitet durch unser vorab veröffentlichtes True Learning „SCOPE_Youngsters“ ging es in dieser Arbeitsgruppe um die Arbeits- und Lernwelt von morgen: „Digital as part of your company’s DNA!“

Die konkreten Fragestellungen reichten dabei von „was kommt mit der neuen Generation an Arbeitnehmern auf die Arbeitgeber bzgl. der Arbeitswelt von morgen zu?“ bis zu „Was muss sich ändern?“ und „Wer profitiert hier wie von wem im Unternehmen?“ Außerdem ging die Diskussion auch in Richtung Bildungswesen und -system: „Wie müssen die Arbeitnehmer von morgen heute vorbereitet werden und was sind die Kernkompetenzen der nahen Zukunft?“

Die Runde war sich zu Beginn sehr schnell einig, dass es sich beim Begriff „digital native“ um ein Buzzword handelt welches bisher kaum exakt zu definieren ist, allerdings interessante Entwicklungen und Veränderungen umschreibt. Somit hielt man sich auch nicht mit einem erneuten Definitionsversuch auf, der die weitere hochinteressante Diskussion sonst sicherlich im Keim erstickt hätte.

Die erste greifbare Erkenntnis war das Zusammenwachsen von Beruf und Privatleben. Ausgelöst durch die Aussage eines der DNs, dass er niemals bei einem Arbeitgeber angestellt sein wolle, der seine Internetnutzung am Arbeitsplatz überwacht oder in irgendeiner Weise einschränkt. Die steigende Beschleunigung aller Prozesse, sowohl im Arbeitsumfeld als auch im Privaten lässt hier eine strikte Trennung immer schwieriger vornehmen. Dinge werden erledigt, wenn ihre Umsetzung gerade am sinnvollsten, einfachsten oder dringlichsten erscheint und nicht, überspitzt fomuliert, wenn es die Stechuhr erlaubt.

Auf der Suche nach den Hauptunterschieden zwischen der „net generation“ und ihren Vorgängern stieß man anschließend auf den extrem hohen Vernetzungsgrad. Man muss hier niemandem mehr erklären, dass Netzwerken im Berufsleben von hoher Wichtigkeit ist: der Digital Native an sich IST vernetzt und das in einem kaum zu greifenden und schon gar nicht zu kontrollierenden Ausmaß. Als offene Fragen, auf die in Zukunft dringend Antworten gefunden werden müssen blieben hierbei: wie kann die Qualität der Vernetzung eines (potentiellen) Mitarbeiters in Zukunft gemessen werden und in wie weit müssen/ wollen/ sollen Unternehmen regelnd eingreifen, wenn „Unternehmensinterna“ in rasender Geschwindigkeit über die Netzwerke nach „außen“ wandern? Andersherum betrachtet waren sich die Teilnehmern allerdings völlig einig: die sozialen Netzwerke der Mitarbeiter können für mutige Unternehmen einen enormen Mehrwert darstellen, indem das Wissen und die Kompetenzen der Mitgleider dieser riesigen Netzwerke aktiver angezapft und projektorientiert zum Beispiel in Innovations- oder Inventionsprozessen eingebunden werden. In der Systemtheorie spricht man hier von sogenannten „weak ties“, also eher losen Verbindungen und Kontakten im Gegensatz zu „strong ties“, den engen Kontakten, zum Beispiel zu Familiemitgliedern, Kollegen oder direkten Geschäftspartnern. Die passenden „weak ties“ von Fall zu Fall zu aktivieren und zu nutzen wird in Zukunft sicherlich die große Chance und Herausforderung an die Unternehmenswelt sein.

Ein weiterer Unterschied wurde in der Anzahl und der richtigen Wahl des jeweils passenden Kommunikationskanals gesehen. Email, instant messaging, microblogging, Telefon? Oder doch Fax und der Postweg? Es wurde von Emailfluten, cc, bcc und der Angst vor dem allmorgendlichen Öffnen des Mail-Postfachs berichtet, aber auch von extrem schneller und hürdenloser Kommunikation und Lösungsfindung bei freier Wahl des Kanals. Dinge die sofort erledigt werden sollen und dringend sind, sollten hierbei nach Möglichkeit „direkt“, also am Telefon oder per IM abgewickelt werden. Hier ist die exzessiv genutzte und unpersönliche Email fehl am Platz, wo hingegen sie in anderen Bereichen sicher ihre Berechtigung hat. Diesbezüglich wurde dann folgerichtig auch über eine Art operativen Ratgeber nachgedacht.

Außerdem wurde in der Arbeitsgruppe sehr zielführend zum Thema „Fehlerkultur“ diskutiert. Sowohl im Bildungsbereich als auch im Unternehmensumfeld wurden hier große Defizite festgestellt. Man war sich nach einigem Austausch einig, dass Fehler grundsätzlich immer passieren, wenn gehandelt wird, nur diese eben häufig im Interesse der eigenen Karriere, Position, aus Zeitmangel usw. verschleiert werden. Somit wird jeglicher Lerneffekt verhindert und es wiederholen sich unweigerlich immer wieder die gleichen Fehler an verschiedenen Stellen. Durch die Einführung verschiedener Web 2.0 – Tools wie zum Beispiel Blogs und Wikis können Fehler „offener“ passieren. Es werden nicht MEHR Fehler, sondern die Fehler, die ohnehin passieren, werden unter Umständen schneller sichtbar. Dies darf dann aber natürlich nicht in einem Bloßstellen vor Kollegen und Mitarbeitern enden, sondern muss, bei der Einführung vermutlich vor allem durch die Vorbildfunktion der Führungskräfte bzw. Lehrenden, in eine Kultur des offenen und ehrlichen Umgangs mit Fehlern münden und auf breiter Basis ihren Eingang in die Unternehmenskultur finden.

Außerdem wurde sowohl für die Lehre als auch für den Unternehmenskontext die Abwendung von inhaltsorientierter und verstärkte Zuwendung zu prozess- und ergebnisorientierten Abläufen gefordert. Es sollte egal sein, wann und wie ich zu einem für mich persönlich oder dem Unternehmenserfolg sinnvollen Ergebnis gekommen bin. Dies umschloss Überlegungen zu Homeoffice, verpflichtenden Anwesenheitszeiten, individueller Lerngeschwindigkeit und der Effizienzmessung.

Während der gesamten Arbeitsphase streifte die Diskussion auch immer wieder das Projekt DNAdigital, einer im Rahmen des 3. IT-Gipfels der Bundesregierung entstandenen und sehr interessanten Plattform zum Austausch zwischen digital natives und Topmanagement. Sicherlich werden einige der hier dargestellten Ergebnisse auch dort Eingang finden.

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Enterprise 2.0 Werkstatt – SCOPE AG „Wissensmanagement“

1 Kommentar Add your own

  • 1. cspannagel  |  Oktober 5, 2008 um 10:22 pm

    Vielen Dank für diese tolle, ausführliche Zusammenfassung!

    In folgendem Weblog-Beitrag habe ich meine Eindrücke zusammengefasst: http://tinyurl.com/4gdagu

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