Die Stunde der Idioten – Das Videointerview

Juli 29, 2008 at 11:38 am 12 Kommentare

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Die Stunde der Idioten Scope in Twitter

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  • 1. Sören Stamer  |  August 9, 2008 um 12:15 am

    Guten Tag Herr Lotter,
    Ihr erfrischendes Videointerview mit Ulrike hat mich zum Denken angeregt. Und zwar zum Nachdenken über meine Haltung zum Kollektiv und zu seiner vermeintlichen Intelligenz, wenn es sie denn gibt.

    Zur besseren Verständigung sei vorausgeschickt, dass ich Ihre im Interview und in vielen Ihrer Brandeins-Artikel dargelegte Sicht auf die Welt sehr weitgehend teile. Ich teile Ihre Kritik an der versuchten statischen Standardisierung von (Aus-)Bildung und der damit versuchten Normierung von Menschen. Ich teile Ihre Überzeugung, dass es einzelner Menschen bedarf, die den Mut haben, einen Unterschied zu machen. Ich teile Ihr Ziel einer offenen Gesellschaft und Ihre Einstellung zum Wandel. Ich teile Ihre Freude an den Differenzen und der Vielfalt und ich teile Ihre Abneigung gegen das Mittelmaß und die Gleichmacherei.

    Was ich bis heute nicht teilte, ist Ihre Haltung zu den Begriffen Kollektiv und Kollektive Intelligenz. Beim Zuhören erstaunten mich unsere auf den ersten Blick stark divergierenden Assoziationen zu diesen Begriffen. Während Sie mehrfach Ihre lebhafte Ablehnung dokumentierten, ist der Begriff Kollektive Intelligenz ist für mich durchweg positiv besetzt.

    Bereits unsere Definitionen des Begriffs Kollektiv scheinen grundverschieden. Sie stellen auf das Gleichmachen der Menschen, auf die konturlose Masse und das Ausrichten an einem Ziel ab. Mir liegt eher die Definition von Robert King Merton. Er definiert ein Kollektiv laut Wikipedia allgemein als „eine Mehrzahl von Personen, die aufgrund eines Systems von gemeinsamen Normen und Werten Gefühle der Zusammengehörigkeit entwickeln“.

    Nun ist mir bewusst, dass diese Definition auch den Fall umfasst, dass die Normen und Werte eben die von Ihnen kritisierte Konformität und Anpassung fordern. Auch Neonazis scheinen durch Normen und Werte vereint. Andere Beispiel in der Geschichte und in der eigenen Schulzeit sprechen für sich.

    Doch umfasst die Definition von Robert King Merton auch den Fall, dass die Werte Offenheit, Vielfalt, Fairness, Toleranz, Kreativität, Individualität, Fehlertoleranz, Neugier etc. ein Kollektiv verbinden und das Gefühl des Zusammenhalts bedingen.

    Genau dieses Erlebnis haben wir bei CoreMedia gemacht, als wir den Versuch machten, aus den klassischen Unternehmensstrukturen auszubrechen, die Vernetzung der Mitarbeiter, Kunden, Partner und sonstiger interessanter Menschen zu erhöhen und den offenen Diskurs zu fördern. Je klarer wir uns über die verbindenden Werte wurden, desto größer wurde das Bewusstsein und der Zusammenhalt. Auf den dreimonatlichen Open Space Workshops entstand tieferes Bewusstsein für die faszinierende Menge an Fähigkeiten jedes einzelnen Teilnehmers. Es entstand Bewusstsein dafür, dass wir eigentlich viel zu gleich sind und Vielfalt ein hoher Wert ist, den wir unbedingt fördern und erhalten müssen. Interessanterweise ist die Anzahl der Nationalitäten und Hautfarben in der Firma anschließend tatsächlich deutlich gestiegen. Auch kam irgendwann die Frage auf, warum gibt es uns eigentlich gibt bzw. warum es uns weiterhin geben sollte. Aus dies ein spannender Diskurs.

    Und so ging und geht es ständig weiter mit der Entdeckung von spannenden Fragen und interessanten Differenzen. Dieses gewachsene Bewusstsein würde ich bewusst als kollektives Bewusstsein bezeichnen. Es ist nicht erklärbar durch die geistige Leistung eines einzelnen Kopfes. Es entsteht im Zusammenspiel.

    Es traten bei diesem Wandel bemerkenswerte Effekte auf, die wir weder geplant noch vorhergesehen haben. Nach mehreren Monaten entdeckten wir zum Beispiel das Muster, dass die meisten Themen, die wir auf einem Open Space entdeckt und bearbeitet hatten, drei bis sechs Monate später umgesetzt waren – und zwar ohne gesondertes Projektplanung durch das Management. Auch war es nicht exakt erklärbar, wie es genau dazu kam. Es war den meisten Beteiligten vollkommen unbewusst und führte zu großen Überraschungen, als wir die Auswertungsergebnisse sichtbar machten.

    Meine Hypothese ist, dass mit dem Grad der Offenheit und Vernetzung die kollektive Wahrnehmung, Kreativität und Problemlösungsfähigkeit der Gruppe bzw. des Unternehmens steigt. Es entstehen effektive Lösungsmuster, die den einzelnen Beteiligten nicht bewusst sind. Mir fällt kein anderer Begriff dafür ein als kollektive Intelligenz.

    Dabei stimme ich Ihnen vollkommen zu, dass es zwingend der Exponenten bedarf, die einen Unterschied machen und sich trauen, immer wieder den herrschenden Gruppenkonsens in Frage zu stellen. Das Kollektiv zieht all seine Stärke eben aus diesen autonomen Persönlichkeiten. Und ebendiese autonomen Persönlichkeiten wachsen in dieser von Vertrauen und Offenheit geprägten Umgebung. Die Ähnlichkeiten mit Kollektiven aus Sozialismus und Kommunismus sind sehr beschränkt denke ich.

    Hinsichtlich der quantitativen Effekte, die auch häufig als kollektive Intelligenz oder „Wisdom of the Crowds“ bezeichnet wird, kann ich Ihre Kritik nachvollziehen. Masse ist in der Tat nicht gleich Qualität. Das schließt allerdings auch nicht aus, dass Muster auf einer höheren Systemebene existieren, die – wenn man die sichtbar macht – ein gewisses Maß an zusätzlicher Erkenntnis offenbaren.

    Ich bin gespannt auf Ihre Sicht.

    Mit den besten Grüßen aus San Francisco

    Sören Stamer

  • 2. thefutureoflearning  |  August 9, 2008 um 9:15 am

    Meine Nachfragen im Interview gingen ja in die aehnliche Richtung, Soeren.

    Was mir klar wurde, ist die Tatsache, wie wichtig ein gemeinsames Grundversatendnis von Begriffen ist. Ich habe das Gefuehl, dass wir alle drei mit unserer Denkweise nicht sehr weit auseinander liegen. Jedoch ist das grundlegende Verstaendnis von Kollektiv (= Gleichmacherei, Nivellierung) bei Wolf Lotter ein anderes als bei uns.

    Es fiel ja auch das Wort “Diskurs” – naemlich dann, wenn ein paar “Schlaue” zusammmen kommen – und schon waren wir mit unserer Meinung naeher beieinanander.

    Ich denke Worte werden im Laufe der Zeit mit anderen Inhalten verbunden, in einen anderen Kontext gesetzt. Kollektiv im Ostblock, Kollektiv bei den Linken ist ein anderes Kollektiv, welches wir heute im Umgang mit dem Internet verstehen. Lest Wikipedia und den Duden … die Unterschiede sind offensichtlich!

    Spannend zu sehen, wie sich Sprache veraendert … oder?

    Deshalb finde ich so Diskussionen wie diese so wichtig, weil unterschiedliche Standpunkte zusammen kommen!

    Danke fuer deinen Kommentar!

  • 3. Dominik  |  August 9, 2008 um 3:37 pm

    Sehr interessantes Video und tolle Kommentare!
    Ich bin, wohl ähnlich wie Sören, bei Wolf Lotters deutlich vorgetragener Ablehnung der kollektiven Intelligenz hängengeblieben und möchte hier noch einige Gedanken dazu in die Diskussion einbringen:

    Die bisher meist praktizierte Alternative zur kollektiven Intelligenz ist wohl das klassische Expertentum. Das Problem: Expertenrunden über die Zukunft eines Fachgebiets drehen sich meiner Erfahrung nach häufig auf der Stelle und verharren in gegenseitiger Bauchpinselei. Oder eine themenorientierte sachlich-vernünftige Diskussion tritt schnell in den Hintergrund und wird von „Hahnenkämpfen“ verdrängt, die Teilnehmer wollen sich vor der „Expertenkonkurrenz“ profilieren und am Ende als der „Sieger“, der Beste der Experten aus dem Ring gehen oder tragen gar private Differenzen in die Runde.

    Inhaltlich entsteht zu leicht Konsens und vom Status Quo aus gesehen vermeintlich extreme oder ausgefallenere Meinungen können sich nur schwer Gehör verschaffen. Außerdem entsteht in unserer schnelllebigen Welt mit ihren kürzer werdenden Halbwertszeiten des Wissens vor allem in technologieintensiven Branchen immer öfter schlicht und ergreifend das Problem, dass ein „einzelner Kopf“ das gesamte Themengebiet mit allen neuen Entwicklungen nicht mehr fassen kann. Zumindest nicht, wenn er zusätzlich zum „Sich-informieren“ auch noch irgendwie operativ tätig sein soll😉

    Daraus lassen sich meiner Meinung nach die Grundvoraussetzungen für kollektive Intelligenz ableiten: das Fördern individueller und unterschiedlicher Meinungen und viel externer Input. “Massen sind nur klug, wenn ihre einzelnen Mitglieder verantwortungsbewusst handeln und eigene Entscheidungen treffen. Eine Gruppe ist nicht schlau, wenn die Einzelnen einander nachahmen oder warten, bis ihnen jemand sagt, was sie zu tun haben.” ( Peter Miller, National Geographic)

    Damit wären wir auch weg von der „Gleichschaltungsvermutung“ und einem sozialistisch geprägten Begriff des Kollektivs.

    In der Praxis bedeutet dies: werden beispielsweise in einem Arbeitsteam die Teammitglieder zu ähnlich, stockt der Innovationsprozess. Das resultiert dann meistens in Mittelwerten und Mittelmaß. Wenn wenige „Experten“ die Diskussion lenken indem sie zum Beispiel die Leitung des Teams übernehmen, viel „bestimmen“ und wenig „echte“ Diskussion zulassen, wird das Team verhältnismäßig „dumm“, oder vorsichtiger ausgedrückt unkreativer. Mit katastrophalen Folgen vor allen in innovationsträchtigen Branchen mit kurzen Produktzyklen…

    Ein wunderbares Beispiel ist doch auch die Wikipedia: viele Autoren arbeiten freiwillig und unentgeltlich an der umfassendsten, für jeden frei zugänglichen und vor allem aktuellsten gemeinsamen Wissenssammlung der Menschheit! Das ist für mich auch das Prinzip kollektive Intelligenz: jeder Mensch ist an einigen Themen interessiert, informiert sich darüber fortlaufend usw. und ist gleichzeitig auf anderen Gebieten weitestgehend ahnungslos. Kommen nun viele Menschen zusammen und können dank der neuen technischen Tools einfach zusammenarbeiten, sich austauschen und abstimmen und haben sie für diese notwendigen Prozesse auch noch genug Zeit zur Verfügung, entsteht ein großes Ganzes, welches das Wissen des Einzelnen bei Weitem übersteigt, aber für jeden Einzelnen nutzbar ist. „Das Internet vereinfacht wie nie, dezentral verstreutes Wissen der Menschen zu koordinieren und so deren kollektive Intelligenz nutzbar zu machen.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Schwarmintelligenz)

    Unter http://www.wdr.de/podcast/quarks/qc_20070410.mp4 gibt es einen sehr interessanten Film zum Thema kollektive Intelligenz und Schwarmintelligenz mit überraschenden Beispielen aus dem Tierreich.
    „Der Schwarm ist mehr als die Summe seiner Einzelteile.“

    Und hier noch ein Spiegel-Online Artikel zum Thema Schwarmintelligenz: http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,497478-2,00.html

    Danke für den tollen Input!

  • 4. Helge  |  August 9, 2008 um 4:35 pm

    Wenn die kollektive Intelligenzia der Apple-Belegschaft bei der Entwicklung des iPhone mitgewirkt hätte um das Produkt von seiner Idee her zu entwickeln, dann gäbe es das iPhone nicht, wage ich jetzt mal als Gegenthese in den Raum zu stellen.

    Der Beitrag „Dumbness of the Crowd: Consensus vs. No-Compromises“ in meinem Blog passt dazu vielleicht etwas besser und beschreibt ausführlicher, was ich damit meine. Hier die URL

    http://www.ifeb.uni-bremen.de/wordpress_staedtler/?p=96

    Meine 2 Cent zum Beitrag…

  • 5. August Tepper  |  August 9, 2008 um 6:11 pm

    Hallo, mich reißt der alte Humboldt leider nicht von den Socken. Das war doch ein Modell für das 19./20. Jahrhundert. Mit demnächst zehn Milliarden Menschen auf der Erde und „Wissen“ als Produktionsfaktor Nummer eins sehen die Dinge doch anders aus. Da geht es um politische Freiheiten, damit alles, was gedacht werden kann, auch diskutiert werden kann. Und da geht es sicher auch um die „Industrialisierung“ des Lernens und des Wissens. Das klingt sicher schrecklich, muss es aber nicht sein. Ist es auch nicht, wie der Weg von Coremedia zeigt.
    Viele Grüße

  • 6. Christiane  |  August 9, 2008 um 6:30 pm

    Ich bin zwar keine Freundin des Bologna-Prozesses, ich bin aber auch keine Anhängerin des vorherigen Universitätsmodells, das dazu führen konnte, dass in geisteswissenschaftlichen Studiengänge Seminarinhalte mehr oder weniger ohne inneren Zusammenhang gelehrt wurden (meist vermittelt von Studierenden, die sich ihre Referate meist ohne besondere Betreuung erarbeitet hatten), dass Seminare total überfüllt waren und dass sich am Ende jeder irgendwie sein Abschlussthema selbst ausgesucht hat – ohne wiederum irgendwie besonders betreut worden zu sein. Natürlich gab das enorme Chancen zur Selbstverwirklichung. Etliche meiner Kommilitonen haben aber unter dieser auch „Konzeptlosigkeit“ zu nennenden Nicht-Orientiertheit der Studiengänge gelitten.

    Was bislang in der kritischen Diskussion zu wenig beachtet wird, ist, dass nicht nur Studierende eine regelmäßigere Leistung erbringen müssen, sondern dass auch Dozenten ihr Lehrniveau anheben müssen, da sie ebenfalls gleichermaßen über die zahlreichen Kontrollen und Leistungsscheine mitgeprüft werden. Langfristig wird das, so denke ich, doch zu einer Erhöhung des von den Kritikern oft vernachlässigten, eher unterdurchschntitlichen Lehrniveaus führen. Und dies wiederum wird es letztendlich mehr Studierenden ermöglichen, wirklich etwas aus ihrem Studium für später mitzunehmen.

  • 7. Dominik  |  August 9, 2008 um 6:35 pm

    Hallo Helge,

    um in Deinem iPhone-Bild zu bleiben: das Produkt ist sehr gut und ermöglicht dem durchschnittlichen User alles, was er von einem aktuellen mobile device erwartet. Ein gelungenes Produkt für den Massenmarkt.
    Und dazu kommen jetzt die Web apps (http://www.apple.com/webapps/), von Heerscharen von „Nicht-Apple-Programmierern“ gebastelt…sie ermöglichen mir, mein iPhone zu erweitern, zu individualisieren, an meine speziellen Bedürfnisse anpassen. So wird es für mich individuell noch sinnvoller nutzbar, es wird von einem gelungenen zum BESTEN mobilen device auf dem Markt!

    Ob das die Applebelegschaft alleine so hinbekommen würde?

  • 8. Helge  |  August 9, 2008 um 7:05 pm

    @Dominik: Danke für Deine Antwort.

    Hmm, das ist aus meiner Sicht jetzt ein Unterschied, bei dem Äpfel mit Birnen von Dir verglichen werden. Bei dem einen geht es um die Schaffung eines Produktes und alle Entscheidungen die bis zu seiner Vollendung getroffen werden müssen, bei dem anderen geht es um die Öffnung (Abgabe von Kontrolle) nach Fertigstellung des Produktes/“Baby“, um es in die Freiheit zu entlassen un zu sehen wie es sich in das Ökosystem einfügt oder gar ein Ökosystem sich entwickeln lässt.

    Für ein Ökosystem ist es immer gut, wenn ganz viele Spezies existieren und keine Monokultur, um aber ein in sich konsistentes Produkt zu erzielen, ist auch Kontrolle, Selbstbegrenzung und vor allem eindeutige Verantwortung notwendig aus meiner Sicht.

    Ich möchte das jetzt auch nicht zu sehr am iPhone festmachen. Mir gehts nur drum, dass wenn man auf die Masse hören würde, wir immer noch auf den Bäumen sitzen würden, oder mit der Pferdekutsche unterwegs wären und Telefon nicht erfunden worden wäre, auch das Internet vermutlich nicht.

    Die, die maßgeblich zu Veränderung und neuen Dingen beitragen sind eben gerade NICHT die Masse der Leute! Und auch nicht die Masse der wie auch immer gearteten & definierten Intelligenz. Das ist meine Meinung. Oft sind es grade die Spinner, die überhaupt nicht in den Mainstream oder ein Kollektiv passen, die die Dinge voran bringen.

    Findest Du denn dann das Kollektiv der „Borg“ aus StarTrek den perfekten Ansatz? Das müßte ja dann Deinem Ideal von kollektiver Intelligenz recht nahe kommen eigentlich, oder?

    Bin gespannt…

  • 9. Helge Thomas  |  August 9, 2008 um 8:28 pm

    Danke Wolf – du bist und bleibst (aus meiner Sicht) einer der genialsten und wichtigsten Denker unserer Zeit!

  • 10. Kai  |  August 9, 2008 um 10:48 pm

    Das beste Stichwort für mich ist der der „Bildungsreligionen“. Darin geht leider zurzeit leider die bildungspolitische Zukunft dieses Landes unter. Fließbandbildung a la Bologna. Sehr schönes Interview.

  • 11. Wolf Lotter  |  August 11, 2008 um 10:24 am

    Liebe Kommentatoren,
    zuerst danke für die angenehm sachliche und tiefe Diskussion, die Sie hier alle führen. Zunächst: Ich bin, um auf die von Herrn Stamer vorgetragene Definition des Kollektivs von Merton einzugehen, da gar nicht weit weg. Gute Leute mit Eigenschaften können in der Summe mehr erreichen, deshalb gibt es auch Unternehmen. Das aber ist idealtypisch. Problematisch deutsch hingegen ist Nivellierung, die Verantwortung abgibt. Aber hier trennt uns ja nichts. Es gibt noch was, was das Kollektiv kennzeichnet: Ich meine doch, dass kreative und intelligente Leute über eine Streitkultur verfügen, die nicht drum rum redet, weil es um die Zeit zu schade ist. In vielen „Teams“ wird man das nicht erleben, weil offenbar das Vertrauen fehlt – das braucht es aber, um Kritik inter pares so zu verstehen, dass man es besser macht. Und da stehen wir.
    Den beschriebenen Open Space Prozess verstehe ich eigentlich nicht zwingend als Nukleus der Kollektiven Intelligenz. Ich meine, dass es hier wieder die Fähigkeit der Person braucht, um zu erkennen, wie man diese Prozesse umsetzt. Wir alle wissen, das Gruppenprozesse ganz furchtbar scheitern können, wenn es nicht ein paar Leute gibt, die – nach Ihren Fähigkeiten aufgestellt – das Potenzial der Beteiligten für die Sache einschätzen und organisieren. Erst dann wird ein Schuh draus. Potenzial an sich ist noch nix. Das war gemeint. Gerne mehr, ich muss mich nur entschuldigen, weil ich in den nächsten Tagen unterwegs bin – und da nicht maile. Herzliche Grüsse an Alle, Wolf Lotter

  • 12. Christiane  |  August 13, 2008 um 12:31 pm

    Heute über eine Meldung gestolpert, die mein Argument, dass die neue Studiengänge den Studierenden eher helfen als schaden, unterstützt:
    „Im Prüfungsjahr 2007 haben an den nordrhein-westfälischen Hochschulen 63 400 Studierende ihr Studium erfolgreich abgeschlossen. Wie das Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik mitteilt, stieg die Zahl der Hochschulabsolventen im Vergleich zum Vorjahr um 10,9 Prozent (2006: 57 200). Der Trend steigender Absolventenzahlen hält inzwischen seit fünf Jahren an:“ http://bildungsklick.de/pm/62299/mehr-hochschulabsolventen-in-nrw/
    Was nützt mir ein Humboldt mit abgebrochenem Studium? Es braucht, um Wolf Lotter zu zitieren, „ein paar Leute, die – nach Ihren Fähigkeiten aufgestellt – das Potenzial der Beteiligten für die Sache einschätzen und organisieren.“ Offenbar sind die neuen Studiengänge einfach besser organisiert! Wo ist denn da das Problem?

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