Lutz Berger und ich waren heute fast den ganzen Tag auf der web 2.0 expo mit unserer Veranstaltung zugange. Es war eine gute Gelegenheit einige unserer Referenten und auch Inga von Staden, die den Event moderieren wird, noch einmal zu sehen und Details abzusprechen.
Auch haben wir noch 2 Trend-Interviews gefuehrt: zum einem mit Dieter Rappold, knallgrau, zum Trend “Intranet” und mit Steffen Bueffel zum Trend “Informelles Lernen”. Beide stehen in Kuerze auf unseres Website zur Verfuegung. Steffen Bueffel ist neu im SCOPE_07 Team und er wird den bisher angekuendigten Paten fuer informelles Lernen, Tim Schlotfeldt, ersetzen. Ein sehr guter Ersatz wie wir meinen - nicht zuletzt deshalb, weil Steffen Bueffel auf 6 Jahre universitaere Erfahrung mit informellem Lernen zurueckblicken kann und auch fuer den eigentlichen Vortrag mit einigen features das Publikum sicher ueberraschen wird!
Der Werbeblogger hat einen Beitrag zum Thema Lernen gepostet, auf den wir hier gern verweisen, denn ” die sogenannten “Digital Natives” (lesenwertes pdf) , also diejenigen jungen Menschen, die völlig selbstverständlich mit universeller Kommunikation und dem Internet groß geworden sind, lernen völlig anders, als es sich die Vortragenden in den Hörsälen vorstellen können. “Multitasking”, also das zeitgleiche Verarbeiten mehrerer Informations- und Dialogkanäle, ist zum normalen und gelernten System geworden, zum Leidwesen wertekonservativer Professoren. Aufmerksamkeit und Konzentration verflüchtigten sich nach klassischer Meinung zu einem Wissenbrei, der nicht zielführend und profunde sein könne. Die Studenten sehen das durchaus anders und zeigen auf, in welchen Konflikten der Informations- und Wissengesellschaft sie sich befinden (aus: Werbeblogger).”
Mal ganz was anderes … oder auch nicht, denn es hat mit den vielen unentdeckten Talenten zu tun, die irgendwo unauffällig ihren Job tun, während kaum einer weiss, was in ihnen steckt. Mit 13.5 Millionen Abrufen einer der youtube Hits schlechthin, Gänsehaut garantiert! Apropos, wo steckt ihr Paul Pott? Und ist wirklich so, wie es auf den ersten Blick aussieht? Und wenn nicht, macht es einen Unterschied?
Das ist wohl die 100 Millionen Dollar Frage, die sich auch Jay Ross stellte und zu folgendem Ergebnis kam:
“This morning, someone asked me how to measure informal learning with an LMS. Another proposed using questionnaires to capture the amount of time people spent on informal learning. Folks, this is like trying to tell time with a thermometer. Any results you get are guaranteed to be worthless.”
Einen interessanten Charakterzug des Surfers weist die Kinsey-Studie “What consumers want from online news” hin, wobei ich praktischerweise auf einen Blog-Beitrag in off-the-record zurückgreifen kann (”Hauptsache easy“):
“Gute Nachrichten für Verlage: In Sachen Online-News haben sie noch nicht alle Aktien verbrannt. Denn Leser wollen laut einer US-Studie von McKinsey ihre Nachrichten online vor allem easy und convenient präsentiert bekommen. Die weniger angenehme Interpretation: Je besser Google News wird, desto einfacher wird es für den Leser gleich dort zu bleiben. Unter diesem Blickwinkel ist nämlich auch ein weiteres Ergebnis der Studie nicht zwingend positiv: Es fehlt an der Markentreue. Bis zu 16 Online-Quellen pro Wochen sind beim Leser eher die Regel als die Ausnahme.” Bei dieser Frequenz - und angesichts der zahlreichen Webseiten, die er sonst noch Tag für Tag anklickt - tauchen eine Menge Fragen auf, so zum Beispiel:
Sind Surfer die moderne Variante des archetypischen Jägers und Sammlers? Die im Gegensatz zu den sesshaften Bauern ihre Aufmerksamkeit stets auf die Peripherie richten (weil dort jederzeit ein Wild oder ein Raubtier auftauchen kann)?
Und wäre dann thematisch zielgerichtetes, aber scheinbar planloses Surfen die ultimative Form des informellen Lernens? Wobei die modernen Jäger statt fetter Beute schlanke Gadgets mitbringen? Die sie als Mashups im Browser zwischenlagern und für schlechte Zeiten horten können? Und wie könnte man das firmeneigene Intranet 3.0 nach dem Vorbild fruchtbarer Jagdgründe gestalten? Surfen, pardon: lernen, das süchtig macht?
Professor Roland Eckert von der Uni Trier verglich die Leistungen von Hackern mit dem universitären Lernen. Sein Fazit: Hacker lernen weitaus effektiver als Studenten. Professor Eckert: “Es ist eine schöpferische Form des Lernens, das weit weniger Leid und Versagensängste beschert und kreativer ist als alles, was wir an der Hochschule haben.”
Ein sicherer Platz in der neuro-pädagogischen Hall of Fame gehört Professor Giselher Guttmann, dem Leiter der Abeilung praktische und experimentelle Psychologie an der Universität Wien. Wo Freud´s Couch steht, untersucht Guttmann seit vielen Jahren mit komplexen EEG-Techniken die menschlichen Gehirnwellenmuster, analysierte Rasseltrancen ebenso wie Einfllüsse von Mind Machines. Guttmann entwickelte ein spezielles Trainingsprogramm für Spitzensportler, die in Wettkampfsituationen regelmässig versagen, die gefürchteten Trainingsweltmeister. Interessiert an den Möglichkeiten cerebraler Leistungssteigerung, übertrug er seine Erkenntnisse aus dem Spitzensport auch auf das Lernen.
So entstand ein gehirngerechtes Unterrichtsmodell, das mehrere tausend österreichische Schulkinder (trotz Wiederstände der Kultusbürokratie) wieder mit dem Lernen versöhnte. Seit kurzem lernen auch in Lichtenstein 8 Schulklassen unter Laborbedingungen mit diesem Modell, in enger Zusammenarbeit mit Professor Guttmann, dem Schulamt Lichtenstein und den beteiligten Lehrern.
In der optimalen Schulstunde stellt der Lehrer zunächst den aktuellen Stoff in einer kurzen Übersicht vor, Zeit für die Klasse, sich vorzubereiten und mental einzutunen. Die darauffolgende Entspannungsübung versetzt die Schüler in einen Zustand erhöhter Leistungsbereitschaft und dient der geistig/körperlichen Aktivierung.
Danach wird der Lernstoff in knappen Schlagzeilen präsentiert, den sogenannten Kerninformationen (möglichst mit optischer und akustischer Unterstützung). Der nächste Schritt führt in ein weit entferntes Wissensgebiet, um die Verarbeitung der Kerninfos nicht zu stören.
Danach kommt die erste Wiederholung der Kerninformationen in thematisch leicht modifizierter Form. Es schließt sich ein weiterer Ausflug an, abschließend die zweite Wiederholung der Kerninformationen.
Das Wiener Unterichtsmodell:
1. Einführung 5 Min.
2. Entspannung 5 Min.
3. Kerninformation 5 Min.
4. Intervall 1 5 Min.
5. Wiederholung 1 5 Min.
6. Intervall 2 10 Min.
7. Wiederholung 2 10 Min.
“Ein Großteil des Lernprozesses, den ein Mensch im Laufe seines Lebens durchläuft, kommt auf informelle Art und Weise zustande. Informell bedeutet in diesem Zusammenhang, dass dieses Lernen in Bezug auf Lernziel, -dauer und -förderung unsystematisch ist, meistens ohne unmittelbaren institutionalisierten Rahmen (Bildungseinrichtung) stattfindet und in der Regel von persönlichem Interesse motiviert ist. Darunter fällt im alltäglichen Leben beispielsweise das Pausengespräch mit Arbeitskollegen, im Zeitalter der Neuen Medien immer mehr der Pausen-Chat oder das Arbeitsgruppentreffen von Studenten außerhalb von Seminaren und Vorlesungen in der Cafeteria oder per Skype (e-teaching.org über informelles Lernen).”
Bekannt wurde das Thema in den letzten Jahren durch Jay Cross. Von ihm gibt´s ne Menge auf youtube zu sehen - und wer nur zehn Minuten Zeit hat, der kann sich hier beim Altmeister informell in Szene setzen lassen:
Eine detaillierte Zusammenfassung zum Thema “Informelles Lernen” bietet das Bundesministerium für Bildung und Forschung hier als PDF zum download an, 200 Seiten mit klassischem Literaturanhang. Jochen Robes weist in diesem Artikel auf die enge Verknüpfung von Internet und informellem Lernen hin (unter besonderer Berücksichtigung von Web 2.0 Tools) und wer über den Tellerrand blickt, interessiert sich vielleicht für die “Internationale Sichtweise auf informelles Lernen“.
Heute morgen bin ich im Blog von Jochen Robes auf diese Liste gestossen, die mir offen gestanden sehr gut gefaellt:
Jane Hart, “Centre for Learning & Performance Technologies”, hat e-learning professionals nach ihren Lieblings-Tools gefragt, genauer: “what their 10 favourite tools are for their own personal working and learning or for creating and delivering learning solutions”. 90 Experten haben bis jetzt geantwortet, darunter Jay Cross, Stephen Downes, Scott Wilson, Teemu Arina und viele andere.
Wie Jochen Robes richtig bemerkt, sind diese Tools der “Schluessel zum selbstorganisierten, informellen Lernen, zu Web 2.0 und Social Software und zum persönlichen Wissensmanagement”.