… davon sind die Initiatoren der d.school in Stanford überzeugt. Sie haben einen Ansatz entwickelt, der in der universitären Ausbildung noch sehr jung ist, aber rasant an Bedeutung gewinnt. Das Neue an “Design Thinking” ist, dass sowohl die drei bis vier Studenten pro Lerngruppe als auch ihre Professoren und Dozenten jeweils aus unterschiedlichen Disziplinen kommen. So sollen neben Informatikern unter anderem Usability-Experten, Designer, Betriebswirte, Mediziner, Biologen und Sozialwissenschaftler in Teams an innovativen Lösungen arbeiten und diese prototypisch entwickeln. Es geht dabei um permanente Feedback-Schleifen, Führen durch Kompetenz und den Blickwinkel für das Ganze.
George Kembel, Mitbegründer der d.school in Stanford beschreibt in diesem Video den Ansatz des “Design Thinking” und erklärt seine Bedeutung für Universität und Beruf. Die d.school bietet auch sehr erfolgreich für ManagerBootcamps zum Design Thinking an.
Seit ein paar Monaten gibt es auch eine deutsche d.school. Sie ist angesiedelt beim Hasso Plattner Institut in Potsdam.
Ein spannendes Interview mit George Kembel findet ihr hier.
Vor ein paar Tagen waren wir in Bremen, um Peter Kruse in seinen next practice labs zu interviewen. Als Heidelberger geht man mit Quadratmetern traditionell weit sparsamer um als, sagen wir mal, nördlich von Kassel. Aber in der Bremer Speicherstadt bekommt das Wort “Großraumbüro” eine völlig neue Dimension. Allein die Olivenbäumchen, die malerisch das Foyer zieren, könnten mühelos eine syrische Großfamilie ernähren. Sie sehen: der Mann braucht Platz!
Nicht nur wegen seiner imposanten Erscheinung, es sind vielmehr seine raumgreifenden Gedanken. Sie weisen einerseits weit in die Zukunft, fussen andererseits bodenständig auf einer scharfen Analyse. Wobei der Meister ein geschicktes Händchen für verbale Neuschöpfungen hat; realistischer als Gerken, intelligenter als Horx und … ist Ihnen zu schwülstig? Dann klicken Sie doch einfach mal auf das Video weiter untern - eine von 22 Antworten, die wir aufbereitet haben.
Für mich war es das zweite Date in Bremen und beim Videoschnitt kam mir der Satz: ein grosser Medizinmann . Oder eine Oktave tiefer: Kruse hat bei Hypno, Trance und Erickson gut aufgepasst! Der Experimentalpsychologe an der Schnittstelle zur Neurophysiologie … kennt aber die Arbeiten von der GRP nicht und in Sachen Web 2.0 hatte ich (schon mit ihrer Studie, hier ihre Presseerklärung) den Eindruck, daß da jemand aus zweiter Hand plaudert.
Aber Puh - das sind nur Bemerkungen eines Bären von sehr geringem Verstand und SCOPE möchten Ihnen dieses Interview wärmstens ans Herz legen und nachdrücklich empfehlen. Eein Tip: Papier und Bleistift zurecht legen, Zeit nehmen, bevorzugt mit mehreren hören und sich anschliessend austauschen. Denn Peter Kruse hat was zu sagen, formuliert es druckreif und sorgt so für eine nachhaltige Endorphinausschüttung:
LB - Game Based Learning und Brain/Mind waren zwei Trendthemen auf der Scope_07 - und Prof. Marc Prensky schlägt in seinem zweiteiligen Artikel “Do they really think different?” eine Brücke zwischen den beiden Bereichen. Seine Schlussfolgerungen werden nicht jedem gefallen, decken sich aber mit den Kernaussagen von Videos (sic!) wie A Vision of Students Today und Did You Know?.
“We hear teachers complain so often about the Digital Natives’ attention spans that the phrase “the attention span of a gnat” has become a cliche. But is it really true? “Sure they have short attention spans—for the old ways of learning,”…
Alles in allem einer der lesenswertesten Artikel zu diesem Themenkomplex, die ich in den letzten Monaten in die Finger bekam. In seiner radikalen Konsequenz erinnert er an die Forschungen der GRP, die in den Achtzigern für Furore sorgten. Forschungsleiter Henner Ertl damals: “Wenn der Entwicklungsprozeß in dem Tempo weitergeht, leben bereits in 50 Jahren völlig andere Menschen. Sie empfinden anders. Sie denken anders. Sie reagieren anders.”
Der Werbeblogger hat einen Beitrag zum Thema Lernen gepostet, auf den wir hier gern verweisen, denn ” die sogenannten “Digital Natives” (lesenwertes pdf) , also diejenigen jungen Menschen, die völlig selbstverständlich mit universeller Kommunikation und dem Internet groß geworden sind, lernen völlig anders, als es sich die Vortragenden in den Hörsälen vorstellen können. “Multitasking”, also das zeitgleiche Verarbeiten mehrerer Informations- und Dialogkanäle, ist zum normalen und gelernten System geworden, zum Leidwesen wertekonservativer Professoren. Aufmerksamkeit und Konzentration verflüchtigten sich nach klassischer Meinung zu einem Wissenbrei, der nicht zielführend und profunde sein könne. Die Studenten sehen das durchaus anders und zeigen auf, in welchen Konflikten der Informations- und Wissengesellschaft sie sich befinden (aus: Werbeblogger).”
David Meier, Center for Accelerated Learning, Lake Geneva, führte im Auftrag der US-Armee eine groß angelegte Studie zum Thema Lernen durch. Im Zentrum stand die Wechselwirkung zwischen Lernen, Erinnern und bildhaftem Vorstellen. Über mehrere Jahre hinweg wurden 268 Schüler und Studenten aus verschiedenen US-Bundesstaaten getestet.
Die Studenten, die ihre geistige Vorstellungskraft gezielt trainierten und beim Lernen einsetzten, schnitten durchschnittlich 12% besser ab, was das unmittelbare Erinnerungsvermögen anging, im Langzeit-Test behielten sie sogar 26% mehr Lernstoff.
David Meier über die Ergebnisse: „Die Anwendung der Multi-Sinnesvorstellung im Bildungsbereich ist nur natürlich. Wie unsere Studie zeigte, personalisiert sie das Lernen, es macht mehr Spaß und es hilft, das Gelernte zu behalten.
Es gibt kein Mittel, ganz gleich, wie hochentwickelt es auch sein mag, das der Stärke, der Flexibilität und der bequemen Anwendung der menschlichen Vorstellungskr gleichkommt. Wir müssen der geistigen Vorstellungskraft dieselbe Aufmerksamkeit widmen, wie den komplizierten, von Computern unterstützten audio-visuellen Lerngeräten. Wir besitzen die beste multi-sensorische Lehrmaschine der Welt mitten in unserem Kopf.”
Weiterer Vorteil der Verbindung Lernen und bildhaftes Vorstellen: Visualisieren funktioniert unabhängig von Geschlecht, Alter, Schule, ethnischer und sozialer Herkunft. Übrigens ein alter Trick in neuen Kleidern: Bereits die alten Griechen wußten um die Kraft der Bilder und setzten sie gezielt in Universitäten und Schulen ein…
Ein sicherer Platz in der neuro-pädagogischen Hall of Fame gehört Professor Giselher Guttmann, dem Leiter der Abeilung praktische und experimentelle Psychologie an der Universität Wien. Wo Freud´s Couch steht, untersucht Guttmann seit vielen Jahren mit komplexen EEG-Techniken die menschlichen Gehirnwellenmuster, analysierte Rasseltrancen ebenso wie Einfllüsse von Mind Machines. Guttmann entwickelte ein spezielles Trainingsprogramm für Spitzensportler, die in Wettkampfsituationen regelmässig versagen, die gefürchteten Trainingsweltmeister. Interessiert an den Möglichkeiten cerebraler Leistungssteigerung, übertrug er seine Erkenntnisse aus dem Spitzensport auch auf das Lernen.
So entstand ein gehirngerechtes Unterrichtsmodell, das mehrere tausend österreichische Schulkinder (trotz Wiederstände der Kultusbürokratie) wieder mit dem Lernen versöhnte. Seit kurzem lernen auch in Lichtenstein 8 Schulklassen unter Laborbedingungen mit diesem Modell, in enger Zusammenarbeit mit Professor Guttmann, dem Schulamt Lichtenstein und den beteiligten Lehrern.
In der optimalen Schulstunde stellt der Lehrer zunächst den aktuellen Stoff in einer kurzen Übersicht vor, Zeit für die Klasse, sich vorzubereiten und mental einzutunen. Die darauffolgende Entspannungsübung versetzt die Schüler in einen Zustand erhöhter Leistungsbereitschaft und dient der geistig/körperlichen Aktivierung.
Danach wird der Lernstoff in knappen Schlagzeilen präsentiert, den sogenannten Kerninformationen (möglichst mit optischer und akustischer Unterstützung). Der nächste Schritt führt in ein weit entferntes Wissensgebiet, um die Verarbeitung der Kerninfos nicht zu stören.
Danach kommt die erste Wiederholung der Kerninformationen in thematisch leicht modifizierter Form. Es schließt sich ein weiterer Ausflug an, abschließend die zweite Wiederholung der Kerninformationen.
Das Wiener Unterichtsmodell:
1. Einführung 5 Min.
2. Entspannung 5 Min.
3. Kerninformation 5 Min.
4. Intervall 1 5 Min.
5. Wiederholung 1 5 Min.
6. Intervall 2 10 Min.
7. Wiederholung 2 10 Min.
We didn´t start the fire: 1990 veranstaltete IBM eine internationale Konferenz zum Thema „Neues Lernen”. Der bekannte Psychologe Mihaly Csikszentmihaly von der University of Chicago, faßte am Ende der Konferenz die Vorraussetzungen unter dem Stichwort „Flow-State Learning” zusammen. Der Flow State ist ein konzentrierter Zustand der Selbstvergessenheit, „jenseits von Angst und Langeweile. Man ist so in die Tätigkeit vertieft, daß sie spontan, fast automatisch wird. Man nimmt sich nicht mehr als unabhängig von der verrichteten Tätigkeit wahr.” Die 7 Dimensionen des Neuen Lernens sind
Klare Ziele
eindeutiges Feedback
Konzentration durch Stimulation
Stärkung des Selbstbewußtseins
gezielte Motivation
Veränderung des klassischen Zeitbegriffes und
der erfassbare Sinn einer potentiellen Kontrolle.
Zu ähnlichen Ergebnissen kam auch das interdisziplinäre US-Lernprogramm ZERO. Als elementare Bausteine des Neuen Lernens gelten hier abstrakte Fähigkeiten wie
Mentales Management
Meta Kognition
(die Reflektion über das eigene Denken aus der Satellitenperspektive)
unterschiedliche, problemorientierte Lernstrategien.
Daher soll in Zukunft - so die Experten - die Ausbildung in erster Linie Denkstrategien und Lerntechniken vermitten, für blosse Kompetenz ändert sich die Gesellschaft viel zu schnell. Wer macht den Anfang?
Arvid Leyh hat sich in den letzten Jahren zu einem der populärsten Publizisten rund um Geist, Gehirn und Gedankenwelten entwickelt. Dazu trug nicht zuletzt sein populärer BRAINCAST bei, dessen 81. Ausgabe sich mit Lernen beschäftigt: Hörenswert, wie alle seine “Sendungen”.